“Exklusive” oder “Inklusive”?

Imagine no possessions, I wonder if you can, no need for greed or hunger, a brotherhood of man. Imagine all the people, sharing all the world. (John Lennon)

Zehntausende Menschen nehmen ein großes Risiko in Kauf und flüchten über das Meer, weil sie keine Zukunft mehr in ihrer Heimat sehen. Große Küstengebiete und kleine Inseln werden in nicht mehr ferner Zukunft durch den ansteigenden Meeresspiegel für Menschen unbewohnbar.  Was sagt uns das? Wir müssen zusammenrücken! Aber wir bekommen es mit der Angst zu tun, auch mit der geschürten. Und wir sind es doch auch gewohnt, dass auf dem freien „rechten Platz“ sich gefälligst nur derjenige setzen soll, den wir uns herbeiwünschen.
Dennoch sind die Details über die Dramen, die sich an Europas Grenzen abspielen, für die überwiegende Mehrheit der in Europa lebenden Menschen erschütterlich - sofern sie denn davon erfahren. Wer es auf dem Landweg über die griechisch-türkische Grenze bei wortwörtlich Nacht und Nebel schafft, landet in einem Flüchtlingslager nahe der Grenzstadt Soufli. Ein Vertreter von "Ärzte ohne Grenzen" sagte in einer Sendung des Deutschlandfunk im Juli 2011, dass die Verhältnisse dort schlimmer seien, als alles, was er in Afrika erlebt habe: 1 Toilette für 170 Menschen z.B. Man könnte das leicht ändern, wenn nicht genau diese Zustände als Abschreckung politisch von der EU gewollt wären!
„Dänemark schottet sich ab“, das war die Schlagzeile, die bis zum Regierungswechsel im letzten Jahr die europaweit härtesten Einwanderungsregeln im einstmals so vorbildlich liberalen Land kennzeichnete. Der Zuzug von Ehepartnern aus Nicht-EU Ländern unter 24 war generell verboten. Nach Beschluss der konservativen Regierung vom Jahr 2010 dürfen auch ältere Ehepartner nur dann nachkommen, wenn das Paar 100.000 DKK (13.500 Euro) als Sicherheit hinterlegt. Zur Steuerung der Zuwanderung wurde ein Punktesystem eingeführt. Ehepartner, die Absolventen „führender Universitäten“ sind, sollen danach leichter eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen- auch wenn sie jünger als 24 Jahre sind. Leider stellten sich auch die jetzt regierenden Sozialdemokraten damals hinter dieses Punktesystem.
Dass JEDER Mensch positiv etwas zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen kann, ist in Kanada keine Frage. Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland. Schlagworte wie „Celebrate Diversity“ verdeutlichen das. Vorbildlich ist die Einrichtung von „settlement workers“ in den Schulen. Dieses externe Fachpersonal nimmt frühzeitig Kontakt mit zugewanderten Familien (auch aus anderen Regionen Kanadas) auf. Eltern wie Lehrer werden entscheidend entlastet und Kinder darüber indirekt unterstützt. Investitionen, die sich auszahlen.
Keine Chance sich nützlich zu machen bekommen die Menschen, die in deutschen Flüchtlingslagern landen. Sie werden bewusst in einer Parallelgesellschaft gehalten, ohne Kontakt nach außen. Denn eventuelle Arbeitskollegen, Nachbarn oder Freunde aus dem Sportverein  können eine Stimme sein, die protestiert, wenn die Abschiebung ansteht. Und diese Ausgrenzung lässt sich der deutsche Staat etwas kosten! Geduldete und Menschen mit einem laufenden Asylverfahren erhalten rund ein Drittel weniger als Hartz-IV-Empfänger. Doch, nach Recherche der „Taz“, werden die Sammelunterkünfte, in denen Asylbewerber an meist abgelegenen Orten kaserniert werden, teils von privaten Firmen unterhalten- und diese kassieren dafür mehr, als man den Menschen bei regulärem Hartz-IV-Bezug für eine Wohnung zahlen müsste.
Der Musiker Heinz Ratz ist von Januar bis April 2011 fast 8000km mit dem Fahrrad durch Deutschland gefahren, um mit Benefizkonzerten in den Lagern auf die „entwürdigenden“ Zustände hinzuweisen. Er hat etwa 80 Einrichtungen besucht, hat dort Weltklassemusiker getroffen, die bekannt in ihrer Heimat sind, hier sich aber noch nicht einmal ein Instrument kaufen dürfen, geschweige denn ihre Kunst präsentieren.  Darum sammelt er bei den Konzerten mit seiner Band „Strom und Wasser“ jetzt Instrumente für die Flüchtlingslager, und hat mit einigen dieser Musiker eine CD eingespielt.

Konzerte Strom & Wasser mit Gästen aus Afghanistan, Gambia, Mazedonien und dem Kosovo
Text: Jens-Peter Müller